Ich habe Freude an Sachen, die am Ende richtig gut sind. Bei denen alle Details stimmen. Bei denen nichts irritiert. Die so leicht und perfekt daher kommen, dass man Ihnen die Arbeit nicht ansieht, aber das Herzblut spürt. Und ich weiß: In kaum etwas steckt so viel Herzblut wie im eigenen Buch.

Ich erinnere mich noch gut an den Tag, als der Lastwagen vorm Haus hielt, eine Palette ablud, ich die erste Schachtel öffnete und mein Buch das erste Mal in den Händen hielt. Ich hätte mich über jedes nicht stimmige Detail geärgert. Tatsächlich habe ich mich gefreut.
Und ich freue mich heute ganz genau so mit jeder Autorin und jedem Autor, die das am Ende eines gemeinsamen Buchprojekts genau so erleben.
Manche sagen, ich sei ein Psycho
Einige Leute nennen mich pedantisch oder perfektionistisch, weil mir oft Dinge auffallen, die andere übersehen. Manche Leute finden den Umgang mit mir auch schwierig, da ich oft recht kompromisslos bin, wenn es um Qualität geht.
Ich würde es eher als respektvoll beschreiben, denn ich stehe immer auf der Seite der Autorin, des Autors und des Textes. Mein Respekt gilt dem Projekt und dem Herzblut. Beide haben es verdient hat, dass am Ende ein gutes Produkt herauskommt.
Manchmal muss man um Details auch ringen. Das geht mir mit mir genauso, wenn ich ein Buch schreibe und das Vorwort zum zehnten Mal verfasse. Weil es vorher einfach nicht gut war. In solchen Situation finde ich mich selbst auch «schwierig», ich weiß gleichzeitig aber auch, warum.
Psychiater würden mich heute vermutlich als neurodivergent beschreiben, das ist ohnehin gerade ziemlich en vogue. Tatsächlich hat einer einmal zu mir gesagt, das müsse ja schon ziemlich anstrengend sein, alle möglichen Details derart seismographisch wahrzunehmen. Ich habe ihm zugestimmt, es ist anstrengend.
Auffällig aufmerksam
Ein anderes Label für Menschen, die sehr aufmerksam sind und mehr wahrnehmen als einem im Normalfall gut tut, ist «High sensitive Person», im Deutschen ist von Hochsensibilität die Rede.
So zu sein ist mühsam, man bekommt auch schnell Panikattacken davon. Andererseits ist es ein Geschenk. Mir hat es als Journalist immer sehr geholfen, auch die Nuancen wahrzunehmen. Keiner der vielen Menschen, die ich in all den Jahren portraitiert habe, hat sich je über meine Texte beschwert, sie fanden sich darin alle wieder.
Beim Lektorieren, Korrigieren und Layouten ist die Wahrnehmung von Details wichtig. Details – ich kann das nicht genug unterstreichen – machen das Gesamtbild aus.
Fragen Sie sich selbst: Wenn Ihnen etwas negativ aufstößt, was ist es? Wahrscheinlich eine Kleinigkeit, die sich störend in den Vordergrund der Wahrnehmung schiebt. Wenn ein Zeitungsartikel zu viele Rechtschreibfehler hat, entsteht rasch der Eindruck, er sei wahrscheinlich genauso schlampig recherchiert wie korrigiert.
Stellen Sie sich darauf ein, dass wir über Details sprechen werden, wenn wir zusammenarbeiten.
Es muss passen
Ich lektoriere nicht jeden Text und nicht jede oder jeder mag mit mir zusammenarbeiten. Ein Buchprojekt funktioniert nicht, wenn man nicht miteinander zurecht kommt. Zum Glück haben wir beide die Wahl.
Um eine Wahl zu treffen, lernt man sich am besten erst einmal kennen. Per Mail, noch besser am Telefon und schließlich anhand einer Textprobe. Komme ich mit dem Text zurecht, kommen Sie mit meinen Anmerkungen zurecht?
Das kann man nur wissen, wenn man es versucht. Ich bin der Überzeugung, dass es einen Versuch wert ist.
Einen Versuch ist es wert
Einem Probelektorat folgt im Idealfall das Lektorat des ganzen Texts. Sie erhalten von mir Anmerkungen zu allem, was mir als unstimmig oder verbesserungswürdig auffällt. Es steht Ihnen am Ende frei, welche Anregungen Sie umsetzten möchten. Ich streite zwar für meine Sicht auf die DInge, aber am Ende es ist Ihr Projekt.
Wenn wir es gemeinsam umsetzen, folgen das Layout des Buchs und der Satz. Dabei gibt es viele Entscheidungen zu treffen. Die Wichtigste ist der gewünschte Vertriebsweg. Soll am Ende ein Auflagendruck stehen? Ist es ein Selfpublisher-Projekt, das als Print-on-Demand veröffentlicht werden soll? Oder soll beides möglich sein?
Diese Fragen entscheiden zunächst über das Format. Im Auflagendruck ab 300 Exemplaren ist fast alles möglich, Print-on-Demand-Dienstleister haben dagegen nur eine begrenzte Auswahl an Formaten. Gleiches gilt für Papiere und Veredelungen.
Das hat Ihr Text verdient
Diese Fragen sollten vor dem Satz entschieden werden, da ein Buch jeweils für ein bestimmtes Endformat gesetzt wird. Jetzt werden Sie vielleicht einwenden, es gäbe da doch Programme, die das automatisch machen.
Ja, die gibt es. Es gibt auch Print-on-Demand-Anbieter, bei denen man seinen Text hochladen und dann verschiedene Vorlagen für den Satz wählen kann. Es gibt auch Menschen, die ein Buch mit einem Textverarbeitungsprogramm setzten.
So sieht es dann halt meistens auch aus. Das ist nicht meine Welt.
Jeder Text, der über das Niveau und den Anspruch eines Groschenromans hinausgeht, hat es verdient, dass er seinem Charakter nach stimmig präsentiert wird. Das betrifft vor allem den Satzspiegel und die Schrifttypen, aber auch viele weitere Details wie die Gestaltung der Kapitelanfänge, Kolumnentitel oder Seitenzahlen.
Spätestens jetzt sollte auch die Umschlaggestaltung finalisiert werden. Das Cover gewährt den ersten Blick aufs Buch, sowohl im stationären als auch im Onlinehandel. Im Idealfall existiert es gedanklich bereits in der Schreibphase. Eine Visualisierung hilft dabei, den Fokus auf das fertige Buch zu zentrieren.
Die Finalisierung des Umschlags hängt ebenfalls vom gewählten Endformat des Buchs ab. Er sollte wie der Satz auch erst dann fertiggestellt werden, wenn die konkrete Form des gedruckten Buchs entschieden ist. Alles andere verursacht später nur unnötige Kosten.
Fehlersuche am Schirm und im Buch
Korrekturen am Bildschirm funktionieren ganz gut, vieles wird dort aber auch übersehen. Auch die softwareseitige Rechtsschreibprüfung findet nicht alle Fehler. Daher lese ich Bücher zuerst am Bildschirm und dann im fertigen Buch noch einmal Korrektur.
Allein durch das andere Medium nimmt der Mensch Texte anders wahr. Was am Bildschirm leicht überlesen wird, tritt in der gedruckten Version oft als irritierend zu Tage.
Da der Digitaldruck heute so preiswert ist, ist es kein Problem, das Buch testweise in wenigen Exemplaren drucken zu lassen, um die Printausgabe nochmals sorgfältig zu prüfen, bevor sie freigegeben wird.
Bei diesem letzten Korrekturdurchlauf werden auch die Satzfehler offenbar, die sich wie beim Schreiben eines Textes leider auch nie ganz vermeiden lassen. Auch der Buchumschlag lässt sich in diesem Moment noch einmal kritisch begutachten.
Mit der Auswahl des endgültigen Buchformats sind die Entscheidungen für Druck und Vertrieb idealerweise bereits gefallen. Das Buch kann gedruckt werden.
Warum ich das kann
Jetzt fragen Sie sich vielleicht, was hat dieser Mensch eigentlich für Qualifikationen? Ich habe Politikwissenschaft, Amerikanistik und Anglistik studiert und jahrelang als Journalist für führende Medien in Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein gearbeitet.
Darunter waren Zeitungen, Zeitschriften, Nachrichtenagenturen, Online-Portale und Rundfunksender. Als verantwortlicher Korrespondent, Schlussredakteur oder Chef vom Dienst ist man dort täglich damit befasst, Texte zu redigieren, Fakten zu prüfen, nachzurecherchieren, die Rechtschreibung zu kontrollieren und die Dinge insgesamt in Form zu bringen.
Seit der Digitalisierung, die im Medienbereich in den 1990er Jahren eingesetzt hat, zählt auch das Layouten von Zeitungs- und Magazinseiten, das Bearbeiten von Bildern oder das Erstellen von Grafiken zum täglichen Brot. Programme wie Indesign oder QuarkXPress, wie sie auch im Buchsatz eingesetzt werden, sind alltägliche Werkzeuge.
Der Unterschied zum Buch besteht im Wesentlichen im Umfang der Texte und in der Tiefe der Bearbeitung. Was im journalistischen Tagesgeschäft zuweilen unter Zeitdruck veröffentlicht wird, obwohl es verbesserungswürdig gewesen wäre, erhält bei Buchprojekten eine Chance.
Und die sollten wir ergreifen, um das Beste aus unseren Ideen zu machen.
Bildnachweis: Claudia Rindt
Lektorat, Korrektorat, Buchsatz, Coverdesign, Buchproduktion für Selfpublisher und kleine Verlage in der deutschsprachigen Schweiz, in Deutschland und Österreich: Wolfgang Frey, 8888 Heiligkreuz (Mels), Lektor des Qultur-Verlags.


